Neuer körperlicher Eignungstest
Im Jahr 2008 trat eine Arbeitsgruppe der Deutschen Städtetages aus Mitgliedern der AGBF und von Gleichstellungsstellen und des Netzwerk Feuerwehfrauen zusammen, um die Frage zu beantworten: „Warum gibt es so wenig Frauen bei der Berufsfeuerwehr?“.
Ein Ergebnis war, dass viele Bewerberinnen am körperlichen Eignungstest scheitern. Im Jahr 2010 wurde der von der vfdb finanzierte Auftrag an die Deutsche Sporthochschule Köln vergeben, einen „berufsbezogenen, geschlechterneutralen Eignungstest für die Feuerwehren“ zu entwickeln. Dazu wurden Experteninterviews geführt, aktuelle Einstellungstests aus dem In- und Ausland verglichen, im Einsatzdienst hospitiert und typische Bewegungsabläufe von Feuerwehrtätigkeiten analysiert. Das Ergebnis wurde Mitte April vorgestellt und am 13. Mai 2011 fand ein Probedurchlauf bei der Feuerwehr Köln statt, bei dem 20 Kolleginnen des Netzwerks und 20 Kollegen der Feuerwehr Köln den Test durchliefen und auf Durchführbarkeit erprobten.
Unser Eindruck von dem Test war dabei, dass er anspruchsvoll aber mit entsprechendem Training machbar ist. Es gibt keine extremen „Killerübungen“, an denen Frauen häufig scheitern, die aber keine Aussage über die tatsächliche Eignung für die Feuerwehr treffen. Anstatt Klimmzügen wird z.B. der "Beugehang" getestet, da im Dienst eher die statische Haltekraft gefragt ist. Die Kraft in den Oberschenkeln wurd bislang häufig mit dem so genannten Fünfersprung gefprüft, bei dem man 12 m in 5 Zweibeinigen Sprüngen überwinden muss. Jetzt muss ein 75 kg Dummy über eine Strecke von 66 m in unter 60 Sekunden gezogen werden. Die Übung ist wahrlich kein Geschenk aber man hat die Möglichkeit, individueller das Ergebnis zu schaffen. Es gibt z.B. Menschen, die machen lange und langsame Schritte und andere machen kurze, schnelle Schritte, je nach Statur. Unterm Strich zählt das Ergebnis.
Die einzelnen Stationen können mit herkömmlichen Geräten einer Standartsporthalle aufgebaut werden und keine der Übungen erfordert eine spezielle Technik, die man jahrelang trainieren müsste.
Ende September wurde der Test der Presse und den Feuerwehren vorgestellt. Inzwischen wurde der Test mit den entsprechenden Informationen durch den Deutschen Städtetag über die Bürgermeister und Oberbürgermeister an die Feuerwehren verteilt und einige Feuerwehren werden ihn anwenden.
Inzwischen haben wir schon einige Nachfragen von verschiedenen Feuerwehren erhalten, die den neuen test als zu anspruchsvoll für die männlichen und weiblichen Bewerber/Innen sehen und Angst haben, dass die Quote der Durchfaller nun steigt. Dies wird sich in nächster Zeit in der Praxis zeigen.
Testelemente
- Gleichgewichtstest DFFA
- Liegestütze
- Beugehang
- CKCU-Test
- Seitlicher Medizinballwurf
- Wechselsprünge
- Handkraft
- Kasten-Bumerang-Test
- Personenrettung
- 400 m Lauf
- 3000 m Lauf
- Drehleitersteigen (optional)
- 200 m Schwimmen (optional)
- Streckentauchen (optional)